DE
Die Erzählerin in Deborah Levys neuem Roman verbringt ihre Zeit in Paris auf der Suche: nach der verlorenen Katze ihrer Freundin, aber vor allem nach Gertrude Stein. Sie soll einen Essay über die Schriftstellerin schreiben, aber verzweifelt daran immer wieder. Es fällt ihr schwer, dieser ikonischen Figur und ihrer Bedeutung für die Moderne gerecht zu werden. Also geht sie zum Friedhof Père Lachaise, um das Grab zu finden, sie umgibt sich mit Steins Texten, sammelt biografische Fakten, diskutiert mit ihren Pariser Freund*innen. Die eigentliche Annäherung an Stein findet aber schliesslich mit und in der Sprache selbst statt. Dem Roman gelingt eine besondere Verschränkung von Inhalt und Form, eine Neukomposition, eine Vergegenwärtigung von Gertrude Steins Stil und Denken in Anwendung, in der Levy ebenso klug und unangepasst über die Gegenwart nachdenkt wie Stein über ihre Zeit.
EN
The narrator in Deborah Levy’s new novel spends her time in Paris on a quest: to find her friend’s lost cat, but above all to find Gertrude Stein. She is supposed to write an essay about the writer, but keeps getting stuck on it. She finds it difficult to do justice to this iconic figure and her significance for modernism. So she goes to Père Lachaise Cemetery to find the grave, immerses herself in Stein’s writings, gathers biographical facts and discusses the subject with her Parisian friends. Ultimately, however, her true engagement with Stein takes place through and within language itself. The novel achieves a unique interweaving of content and form, a recomposition, a bringing to life of Gertrude Stein’s style and thought in practice, in which Levy reflects on the present with the same intelligence and non-conformity as Stein did on her own time.