2022

Donnerstag, 10.11.2022

Dinnerlesung mit Max Küng

Wir kennen uns doch kaum (Rowohlt, 2015) ist die Liebesgeschichte von Meta und Moritz, in Die Rettung der Dinge (Kein und Aber, 2017) teilen sich gesammelte Kolumnen von Max Küng ein Buch und in Fremde Freunde (Kein und Aber, 2021) bröckelt eine französische Ferienidylle. Wieso und wie er schreibt, erzählt Küng bei der Dinner-Lesung im Kulturhotel Guggenheim.

Adresse: Kulturhotel Guggenheim, Wasserturmplatz 6, 4410 Liestal

Autor: Max Küng

Eugenia Senik: Das Streichholzhaus

Eugenia Senik liest aus ihrem neuen Roman Das Streichholzhaus (Zytglogge, 2022) und berichtet über ihr Schaffen in Zeiten des Krieges. Im Roman arbeitet Anna, eine junge Frau aus der Ostukraine, in einem Obdachlosenheim in der Westschweiz. Sie führen Hausräumungen durch. Als Anna beim Aussortieren ein Haus aus Streichhölzern findet, erkennt sie darin ihre neue Lebensumgebung: So zerbrechlich jedes einzelne Hölzchen auch sein mag, zusammen mit anderen fügt es sich zu einem stabilen Haus.

Anmeldung: www.bibliothek-bottmingen.ch
Adresse: Bibliothek Bottmingen, Schlossgasse 10, 4103 Bottmingen

Freier Eintritt

Autorin: Eugenia Senik

Freitag, 11.11.2022

Eröffnung der Ausstellung: Cosey. Vers l’inconnu

Der realistische Strich Coseys führt auf Reisen – durch Landschaften in aller Welt und in das Innenleben seiner Figuren. Das Cartoonmuseum Basel würdigt die Arbeit des vielfach ausgezeichneten Westschweizer Künstlers mit einer Retrospektive, die Originalzeichnungen, Fotografien, Skizzenbücher und Filme umfasst.

Adresse: Cartoonmuseum Basel, St. Alban−Vorstadt 28, 4052 Basel

Hinweis: Am 18. November 2022 findet von 9–18 Uhr das Nationale Symposium zur 9. Kunst im Kunstmuseum Basel statt. Informationen unter: www.symposium-9te-kunst.ch.

Freier Eintritt

Comiczeichner: Bernard Cosendai
Direktorin und Kuratorin Cartoonmuseum Basel: Anette Gehrig

Literarisches Dinner

Die internationale Quartierbuchhandlung Olymp & Hades stillt den Literaturhunger und verwöhnt gleichzeitig auch reale Geschmacksknospen. Im Calvinhaus der reformierten Kirchgemeinde in Allschwil findet ein literarisches Dinner statt, bei dem anspruchsvolle und leichte Literatur mit den Gästen am Tisch sitzen.

Anmeldung: olymp@olympundhades.ch
Adresse: Calvinhaus, Baslerstrasse 226, 4123 Allschwil

Gastgeberin: Yvonne Peyer

Clara Maria Bagus: Der Klang von Licht

Clara Maria Bagus liest aus ihrem neusten Roman Der Klang von Licht (Piper, 2022). Eine falsche Entscheidung, die das Leben dreier Familien für immer verändert: Ein Richter zwingt die Krankenschwester Charlotte, sein sterbenskrankes Neugeborenes gegen ein gesundes zu tauschen – die Welt aller Beteiligten gerät aus den Fugen.

Anmeldung: basel@orellfuessli.ch
Adresse: Orell Füssli, Freie Strasse 17, 4001 Basel

Autorin: Clara Bagus

Dienstag, 15.11.2022

Buchvernissage mit Patrick Tschan: Schmelzwasser

In Schmelzwasser (Braumüller Verlag, 2022) nimmt uns Patrick Tschan mit in eine Stadt am See, wo die Protagonistin Emilie 1946 eine Leihbibliothek eröffnet, sich mit Altnazis anlegt und an kleinstädtischen Verhältnissen rüttelt. An ihrer Seite: zwei Mitstreiter*innen, die gemeinsam mit ihr und der Literatur den kulturellen Folgen des Zweiten Weltkriegs trotzen.

Anmeldung: ticket@biderundtanner.ch
Adresse: Kulturhaus Bider & Tanner am Bankenplatz Aeschenvorstadt 2, 4051 Basel

Mittwoch, 16.11.2022

Michail Schischkin: Frieden oder Krieg

Wodurch werden die Spannungen zwischen Ost und West befeuert? Wie lassen sie sich vielleicht sogar lösen? Gibt es Anlass, Moskau zu fürchten? Hat womöglich Russland Grund, dem Westen zu misstrauen? Fragen, die der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller Michail Schischkin in seinem Buch Frieden oder Krieg (Heyne Verlag, 2019) und an dem Abend mit Marc Joset diskutiert.

Adresse: Kunstverein Binnigen, Kronenmattsaal, Weihermattstrasse 10, 4102 Binnigen

Autor: Michail Schischkin
Moderation: Marc Joset

Donnerstag, 17.11.2022

Die Rolle der Bibliotheken in der digitalen Transformation

Ist die Bibliothek der Zukunft ein realer, physischer Ort? Gibt es Bibliothekar*innen in der Bibliothek der Zukunft und kümmern sie sich dann um (echte) Bücher? Bei den Versuchen, die Zukunft der Bibliotheken im Kontext der Digitalisierung zu denken, drängen sich angesichts von «Big Data» und «Künstlicher Intelligenz» neue Fragen auf.

Adresse: Universitätsbibliothek Basel, Vortragssaal 1. OG, Schönbeinstrasse 18–20, 4056 Basel

Freier Eintritt

Experte für Foresight und Innovationsmanagement: Gereon Uerz

Freitag, 18.11.2022

Literaturhaus

Workshop mit Matías Acosta

Um den Anfang einer grossen Freundschaft geht es im Bilderbuch Die Sommergäste / Las visitas del verano (Baobab Books, 2021). Wie könnte diese Geschichte weitergehen? Matías Acosta zeigt, wie man eine Bildseite komponiert. Die Kinder probieren das mit Wasserfarben und Farbstiften gleich selbst aus und gestalten ein eigenes Bild.

Sprache: Deutsch / Spanisch
Freier Eintritt

Manor

Schaufenster­lesungen in der Greifengasse

Zur literarischen Einstimmung auf das Festival lesen am Freitag 18. November ab 16 Uhr Festivalautor*innen im Manor Schaufenster.

Es lesen:
16 Uhr Lidija Burčak: Nöd us Zucker
16.20 Uhr Benjamin von Wyl: In einer einzigen Welt
16.40 Uhr Wolfgang Bortlik: Basler Gleichstand
17 Uhr Sandra Hughes: Tessiner Verderben
17.20 Uhr Tomer Gardi: Eine runde Sache

Freier Eintritt

Volkshaus

Texte von Schüler*innen des Gymnasiums Oberwil aus der Schreibwerkstatt mit Annina und Josia Haab

Unter der Leitung von Annina und Josia Haab schreiben Schüler*innen des Gymnasiums Oberwil in der Woche vor der BuchBasel Texte, die sie am Festival vorstellen werden. Die Veranstaltung wird unterstützt von kulturelles.bl und ist eine Kooperation des Gymnasiums Oberwil mit der BuchBasel und dem Literaturhaus Basel.

Freier Eintritt

Volkshaus

Eröffnungs-Feier 2022

Sibylle Berg eröffnet das Festival mit einer exklusiven Begrüssungsrede und schaut auf eine Welt am Abgrund. Die vielfach ausgezeichnete Autorin von 16 Büchern gilt als eine der renommiertesten Dramatiker*innen im deutschsprachigen Raum. Ihre Romane sind voller schneller Schnitte, Szenenwechsel und starken Bildern. Die scharfe und pointierte Beobachterin schreibt punktgenau zwischen Ironie und bitterem Ernst und empfiehlt «die verbleibende Zeit langsam zu geniessen».

Musikalisch begleitet wird die Eröffnung vom Duo Elfrid the third & Ivan Eyes. Der*die Dichter*in und Rapper*in Norwin Tharayil und der Sound Artist Jascha Dormann changieren mühelos zwischen Spoken Word, Rap und Gesang. Die Wörter von Elfrid treten mit dem filmischen Sound von Ivan in einen Dialog und schaffen zusammen ein komplexes Werk, dem es nie an Emotionalität fehlt. Mit Kurz-Lesungen aus ihren neuen Romanen stimmen Sie Juri Andruchowytsch und Senthuran Varatharajah auf die Literaturtage ein. Mit Klaus Merz sprechen wir über seine Virtual Reality-Lesung LOS, den wir ebenfalls am Festival gezeigt wird.

Im Anschluss gibt es einen Apéro, zu dem wir Sie herzlich einladen.


Happy Festival!

Literaturhaus

Buchkinder Basel präsentieren neue Werke

Buchkinder Basel ist eine Schreib- und Buchwerkstatt für Kinder. Durch das Produzieren eines Buches identifizieren sich Kinder intensiv mit dem Thema Buch, dem Lesen und Schreiben. Sie entwickeln eine Geschichte, schreiben sie auf, stellen ihre eigenen Bilder her, setzen oder layouten den Text, drucken Text und Bild. An der Präsentation stellen die Kinder ihre Bücher selbst vor.

Freier Eintritt

43. Slam Basel

Es ist wieder Zeit für Poesie im Sommercasino Basel! In der Villa treffen sich alle zwei Monate Slammende aus dem deutschsprachigen Raum, um den besten Text des Abends mit einer Flasche "Whiskey" auszuzeichnen. Das Publikum entscheidet wie immer, wer die Flasche "Whiskey" öffnen und den ersten Schluck geniessen darf.

Du schreibst auch Texte? Für jeden SLAM Basel gibt es nebst dem gestandenen Line-Up zwei Open-List-Plätze für alle offen, die spontan auf die Bühne möchten!

Adresse: Sommercasino Basel, Münchensteinerstrasse 1, 4052 Basel

Slamer*innen: Jule Weber, Jan Cönig, Remo Rickenbacher, Moet Liechti, Annika Biedermann, Andreas Kessler, Jenn Unfug, Caro Knaack, Gina Walter (Moderation)

Volkshaus

Tsitsi Dangarembga: Verleugnen

Tsitsi Dangarembga, Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2021, ist eine der grossen Stimmen Simbabwes: Ihr Roman Überleben (Orlanda, 2021) stand 2020 auf der Shortlist für den Booker Prize. Nun erscheint als letzter der Tambudzai-Trilogie der zweite Teil auf Deutsch. In Verleugnen (Orlando, 2022) knüpft sie an die Geschichte der Protagonistin an: Tambu ist am College, das eine kolonial-christlich geprägte Missionsschule ist. Mit Bestnoten und dem Verleugnen ihrer Schwarzen Identität kämpft sie um eine Anerkennung, die ihr nicht zugestanden wird. Dangarembga erzählt «vom Schwarzsein in einer viel zu weissen Welt, auch wenn hier (…) die weisse Welt tatsächlich in Afrika liegt» (The Guardian), und von einer jungen Frau, die in diesem Spannungsfeld versucht, erwachsen zu werden.

Sprache: Deutsch/Englisch

Autorin: Tsitsi Dangarembga
Moderation: Ana Sobral
Lesung: Nicole Coulibaly

Kaserne

Senthuran Varatharajah: Rot (Hunger)

Rot (Hunger) (S. Fischer Verlage, 2022) verbindet zwei Erzählkreise, zwei «Liebesgeschichten». Da sind einerseits zwei Männer: Der eine möchte einen Menschen essen, der andere will aufgegessen werden. Diese Geschichte ist an den Fall des Kannibalen von Rotenburg angelehnt und Senthuran Varatharajah arbeitet mit Material aus den Mail- und Chatverläufen der beiden. Auf der anderen Seite steht die Trennung zweier Figuren, von denen eine mit dem Autor den Namen teilt. Die Erzählungen verbindet die Suche nach einer Sprache der Liebe, die immer auch eine Sprache der Gewalt ist. Für seinen Debütroman Vor der Zunahme der Zeichen (S. Fischer Verlage, 2016) hat Varatharajah verschiedene Preise gewonnen, darunter den Adalbert-von-Chamisso-Förderpreis.

Volkshaus

Sibylle Berg: RCE
mit musikalischer Begleitung von WAS DAS?

Wenn sich etwas ändern soll, dann braucht es manchmal einen Weltuntergang. Also macht sich ein weltumspannendes Kollektiv daran, den Kapitalismus zu hacken. Die Nerds wollen den Feind mit seinen eigenen Waffen schlagen: mit subversiven Smartphone Games, umstürzlerischen Fernsehserien und irrsinnigen Bankentransaktionen. Es ist ein Fünfjahresplan zur Zerstörung der Bad Boys aus der Tech- und Unterhaltungsbranche und der Milliardäre aus der Überwachungsindustrie. RCE (Kiepenheuer & Witsch, 2022), das Akronym für «Remote Code Execution», ist nach GRM der zweite Teil von Sibylle Bergs Trilogie zu einer kaputten Welt.

Am Festival tritt Sibylle Berg zusammen mit der siebenköpfigen Basler Rapgruppe WAS DAS? auf. Mit zeitgenössischen Beats und politischen Aussagen zeigen sie, dass Rap längst nicht mehr Kopfnicken und Bro Battle sein muss.

Autor*in: Sibylle Berg
Band: WAS DAS?
Moderation: Yves Kugelmann

Galerie Weiss Falk

Jenny Hval: Perlenbrauerei

Die norwegische Autorin Jenny Hval ist auch Journalistin, Performance-Künstlerin und erfolgreiche Musikerin. Ihr neuer Roman Perlenbrauerei (März Verlag, 2022) ist so vielseitig wie ihre experimentelle Musik: In Aybourne, einer imaginären und nebligen Stadt in Australien, macht die Protagonistin Jo ihr Austauschsemester. Sie zieht zu der etwas älteren Carral in eine stillgelegte Fabrikhalle, die Perlenbrauerei, und fängt mit ihr eine Beziehung an. Ihr biologisches Interesse, das insbesondere bei den Pilzen liegt, richtet sie vor allem auf sich selbst und ihre Umwelt: Bald weiss sie nicht mehr, wo ihr Körper aufhört und wo der andere anfängt. Hval findet auch in ihrer Prosa einen eigenen Stil, der immer wieder von surreal anmutenden Episoden durchzogen ist.

Autorin: Jenny Hval
Moderation: Anaïs Steiner

Volkshaus

Shelly Kupferberg: Isidor

Shelly Kupferberg zeichnet in ihrem Debüt Isidor – Ein jüdisches Leben (Diogenes, 2022) nicht nur ein Stück jüdische Geschichte nach, sondern auch die ihrer Familie: das Leben ihres Urgrossonkels Isidor als ein schillerndes, tragisches und komisches Repertoire an Erzählungen. Irgendwann ist er Opernfreund und Multimillionär, aber was geschah davor? Was sind die Szenen und Arien seines Lebens? Und was bleibt von einem Menschen übrig, wenn er tot ist? Anhand von Briefen, Dokumenten und Fotos skizziert Kupferberg die Geschichte Isidors und jener Menschen, die mit ihm gemeinsam durchs Leben gingen. Es ist die Geschichte eines Mannes, der sich lange Zeit unantastbar fühlte; vom grauen Alltag und von Nationalsozialist*innen. Berührend gibt die Autorin dieser Perspektive jene Eigenständigkeit, die ihr zusteht.

Autorin: Shelly Kupferberg
Moderation: Christoph Keller

Müller Palermo

Erwin Messmer: Passirrt isch passirrt

In kräftiger St. Galler Mundart erkundet der in Bern lebende Autor Erwin Messmer in seinen Gedichten (Der gesunde Menschenversand, 2022), wie wir Zeit erfahren: als Beglückung und Bekümmernis, im Vergehen und Wiederkehren, im Erinnern und Erwarten. Seine Mundart klingt bald derb, bald zart, bald deftig, bald verhalten, bald eckig, bald beschwingt. In Poesie, Prosa und szenischer Darstellung erzählen die Texte Gereimtes und Ungereimtes aus allen Lebensabschnitten, von der frühen Kindheit bis ins hohe Alter und in den Tod. Mit Ironie und Gelassenheit beweist Erwin Messmer einen Humor, der darin besteht, dass man trotzdem lacht, lebt und liebt.

Autor: Erwin Messmer
Moderation: Martin Zingg

Kaserne

Cruise Ship Misery

«Schweigen, bis Gaumen und Zunge verkleben, die Mundhöhle fermentiert» – Milena Krstic und Sarah Elena Müller verarbeiten als Mundart-Pop-Duo des Grauens die Feindseligkeiten des menschlichen Alltags performativ und erklären das Unbehagen zur Party. Müllers auf Hochdeutsch geschriebenen Texte beschäftigen sich mit Nebenschauplätzen des Justizvollzugs und den Gefühlen des Ausgeliefertseins in der Maschinerie des Verwaltungsapparates. Diese Geschichten übersetzen sie gemeinsam fast eins zu eins ins Berndeutsche. Krstic unterstützt die kryptischen Tracks durch ihren Ausdruck. Mal singt sie glasklar, mal setzt sie auf Sprechgesang. Heraus kommt dabei synthiegestützter Spoken-Word-Wave-Pop mit mitreissenden Beats, der uns auf eine Rundfahrt durch die Missverständnisse der Gegenwart nimmt.

Musiker*innen: Cruise Ship Misery

Samstag, 19.11.2022

Volkshaus

Indranjan Banerjee & Ralph Tharayil: measurings with mercury / quecksilbermessungen

In measurings with mercury/quecksilbermessungen gehen der indische Autor und Kurator Indranjan Banerjee und der Schweizer Autor Ralph Tharayil den unterschiedlichen Aggregatszuständen des menschlichen Körpers und seinen Verflechtungen mit Architekturen, Atmosphären und Interfaces nach. Als Ausgangspunkt dienen dafür die kataklysmischen Kräfte, die die Maladie suisse – das Heimweh produzieren kann und die den Körper als sensorisches Messwerkzeug hervortreten lassen: als Mittler der Affekte, als Mass für ein mögliches Zuhause. In einer Mixed-Media-Lesung verweben die Autoren Text, Körper und Bild zu einem Dialog über Verletzlichkeit und Situiertheit.

Autor: Ralph Tharayil
Autor und Kurator: Indranjan Banerjee

Volkshaus

Thomas Röthlisberger: Steine zählen

Ein nordisches Drama entfaltet sich um Matti, der allein, nur mit Hund, Gewehr und Schnapsflasche, in seiner Bauernkate in Südfinnland zurückbleibt; um Märta, seine Frau, die ihn nach vierzig Jahren verlassen hat, und um Olli, den Sohn, der seinen Platz im Leben nicht gefunden hat und immer in Geldnöten steckt. Eines Tages findet der lokale Polizeibeamte Matti vor dem Haus in einer Blutlache liegend. Steine zählen (edition bücherlese, 2022) beinhaltet alle Ingredienzien eines guten Krimis und entwickelt sich zu einem tiefgründigen Roman um Lebenslügen und Verstrickungen.

Volkshaus

Die Ukraine und Europa: Vergangenheit und Zukunft eines komplexen Verhältnisses

Die Geschichte der Ukraine zwischen West und Ost ist wechselvoll und blutig. Grossmächte wie Russland, das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn, Polen und die Sowjetunion setzten ihre Machtansprüche immer wieder mit Gewalt durch. Wie haben diese Ereignisse das Land geprägt? Welchen Platz nahm und nimmt die Ukraine in Europa ein? Seit zwanzig Jahren äussert das Land die Absicht, der Europäischen Union beizutreten. Brüssel verwies jedoch auf die Notwendigkeit innenpolitischer Reformen. Mit dem Beginn des russischen Angriffskriegs wurde die enge Anbindung an Europa als dringlich angesehen und die Ukraine ist mittlerweile EU-Beitrittskandidatin. Wie sind die Zukunftsaussichten, wenn der Krieg vorbei sein wird? Welche strukturellen und politischen Herausforderungen erwarten das Land und Europa?

Autor: Juri Andruchowytsch
Historikerin: Olha Martynyuk
Historiker: Frithjof Benjamin Schenk
Moderation: Judith Huber

Volkshaus

Lektorat Literatur

Schreiben Sie? Möchten Sie auf einen Ihrer Texte eine hilfreiche, weiterführende Rückmeldung bekommen? Am «Schreibtisch» von Lektorat Literatur können Sie Ihren Text (max. 2 Seiten) abgeben und später mit einem*r professionellen Lektor*in über dessen Qualitäten, Möglichkeiten oder Probleme sprechen. Und für die Rückmeldung bezahlen Sie, was sie Ihnen wert ist.

Freier Eintritt

Volkshaus

Klaus Merz & Sandro Zollinger: LOS

Auf seiner Suche nach Halt bricht Peter Thaler zu einer Wanderung in die Berge auf. Er wird nicht mehr zurückkehren. Beruhend auf einer wahren Begebenheit erzählt Klaus Merz in LOS (Haymon Verlag, 2005) vom Abschiednehmen, dem alltäglichen und dem endgültigen. Der Filmemacher Sandro Zollinger hat ausgehend von dieser Geschichte eine neue virtuelle Welt geschaffen. Aus der Erzählung LOS wurde eine Symbiose aus Literatur und Virtual Reality. Es erwartet Sie eine literarische Erfahrung, irgendwo zwischen Lesung, Kino und Zukunft. Wo: vor dem Unionsaal im Volkshaus.

Vorführungen starten jeweils um:

11 Uhr
12 Uhr
13 Uhr
14 Uhr
15 Uhr
16 Uhr


Freier Eintritt

Autor: Klaus Merz
Filmemacher: Sandro Zollinger

Radio X

Seit der zweiten Ausgabe des Literaturfestivals ist das nichtkommerzielle Radio X mit uns vor Ort und wird zum Festivalradio. Zu empfangen sind die Mitschnitte und Interviews auf 94,5 MHz sowie via Livestream auf www.radiox.ch und www.buchbasel.ch.

Festivalradio: Radio X

Galerie Weiss Falk

Urs Mannhart: Lentille. Aus dem Leben einer Kuh

Lentille ist die jüngste Kuh ihrer Herde auf einem Bauernhof in der Westschweiz, sie ist athletisch und wach. Nachdem sie ihr Kalb tot gebärt, fragt sich der Autor Urs Mannhart, ob sie deswegen Schmerz verspürt und wie sie psychisch mit diesem Verlust umgeht. In Lentille. Aus dem Leben einer Kuh (Matthes & Seitz Berlin, 2022) anthropomorphisiert Mannhart das Tier, eröffnet damit neue philosophische Räume und hinterfragt die vermeintlich klare Grenze zwischen Mensch und Tier. Was passiert, wenn wir Tieren Emotionalität und Persönlichkeit zugestehen? Inwiefern sollte das unser Denken über sie beeinflussen? Lentille ist mehr als ein Rätisches Grauvieh auf einer Weide, sie ist die Chance, Tier- und Menschsein neu zu begreifen.

Autor: Urs Mannhart
Moderation: Daniel Puntas Bernet

Volkshaus

Simon Froehling: Dürrst

Simon Froehlings zweiter Roman Dürrst (bilgerverlag, 2022) führt uns nach Athen, Kairo, Berlin und Zürich und öffnet den Blick in die Lebensrealität eines homosexuellen Mannes, der zwischen Dating- und Künstlerszene seinen Weg sucht und immer wieder mit den Abgründen seiner bipolaren Erkrankung konfrontiert ist. Konsequent in der zweiten Person erzählt, hält das Buch Leser*innen auf Distanz und geht doch unter die Haut. So schonungslos die Schilderungen sind, so kunstvoll verbinden sich die Zeitebenen zu einer Lektüre von ungewöhnlicher Intensität.

Autor: Simon Froehling
Moderation: Hubert Thüring

Volkshaus

Sprache entgrenzen

In der Gegenwartsliteratur gibt es immer mehr poetische und formale Entgrenzungen: Syntax und Grammatik bestimmen nicht mehr als einzige Parameter das Zusammenspiel von Buchstaben und Sätzen und das spielerische Aufbrechen von Sprachgrenzen ist längst Teil einer vielstimmigen und vielsprachigen «Deutschen Literatur». Wie kann Sprache und Literatur anders gedacht werden? Wie können Wörter zugunsten eines grösseren Bedeutungsraums benutzt, verformt und übersetzt werden? Senthuran Varatharajah zerschneidet in Rot (Hunger) die Wörter, lässt Trennstriche weg und verstümmelt Zeilen. Svenja Viola Bungarten schreibt von Anfang an vielstimmig; nämlich in Kollektiven. Und Tomer Gardi veröffentlicht seine Romane in «Broken German», in dem Artikel frei verwendet werden, Präpositionen fehlen und es Rechtschreibfehler bis ins gedruckte Buch schaffen. Mit der Literaturwissenschaftlerin Christine Lötscher diskutieren sie über das Entgrenzen von Sprache.

Volkshaus

Gespräch mit Wagdy El Komy: Writers in Prison Day

Jedes Jahr wird am Day of the Imprisoned Writer die Aufmerksamkeit auf Schriftsteller*innen gelenkt, die für ihre Arbeit verfolgt oder inhaftiert werden. Der Autor Wagdy El Komy kommt aus Ägypten und beschreibt seit dem Arabischen Frühling die repressiven postrevolutionären Umstände im Land. Deshalb hat ihn das DeutschSchweizer PEN-Zentrum eingeladen. Zurzeit lebt er in der Schweiz, wo er auch schon mehrfach Stipendien erhielt. El Komys Romane spielen in der Unterwelt von Kairo, erzählen von der Auflösung der ägyptischen Mittelschicht und der Widersprüchlichkeit der immer quälenderen Alltagssorgen. Mit seinem Hang zum Absurden stellt sich El Komy in eine Kontinuität mit den ägyptischen Klassikern des 20. Jahrhunderts.

Sprache: Deutsch/Arabisch

Autor: Wagdy El Komy
Moderation: Anita Streule
Lesung: Thomas Sarbacher
Übersetzung: Urs Gösken

Müller Palermo

Beat Ringger: Risiken und Nebenwirkungen der Pharmaindustrie

Zwei Dutzend grosse Konzerne, unter ihnen Roche und Novartis, beherrschen die globale Pharmaindustrie. Sie entscheiden darüber, welche neuen Wirkstoffe bis zur Marktreife entwickelt werden und welche nicht. Massgeblich sind dabei die Gewinnaussichten. In seinem neuen Buch Pharma fürs Volk. Risiken und Nebenwirkungen der Pharmaindustrie (Rotpunktverlag, 2022) entwirft Beat Ringger, vormaliger Geschäftsführer des Thinktanks Denknetz, eine Gesundheitsversorgung im Dienste der Menschen. Die Politik muss Transparenz und Kooperation durchsetzen, ebenso Preise auf Basis der effektiven Kosten. Was mit öffentlichen Geldern entwickelt wird, soll mit offenen Patenten für die Gesellschaft gesichert werden.

Autor: Beat Ringger
Moderation: Marco Geissbühler

Klara

Tito Moccia: Astor

Ein bärtiger Herr kauft in einer Wunderkammer eine Muschel. Als er sie an sein Ohr hält, beschliesst er, sich auf eine Reise durch die Ozeane zu begeben: von der Arktis bis zur Antarktis, von der Tiefsee bis zu den Tropen. Auf diesem Abenteuer begegnet er Organismen aller Art: Thunfischen, Pottwalen, Hummern, Quallen und dem geheimnisvollen König der Heringe. Entkommt er auch dem Riesenkalmar und dem Seeungeheuer?

Freier Eintritt

Autor: Tito Moccia

Volkshaus

Potenzial Digital: Form

Ein Text, der atmet. Ein begehbarer Roman. Ein Endless-Scroll-Poem. Eine multimediale Collage. Die Poesie der Suchmaschinen, der Codes und der Pixel ist potenziell unendlich. Im Magazin ­ denkt Katharina Nejdl digitales Publizieren neu und Jasmin Meerhoff schreibt und erforscht Techno-Poesie und computergestützte Literatur. Gemeinsam diskutieren sie über zeitgenössische Konzepte von Literaturpräsentation und das Potenzial des Digitalen.

Grafik Design und Development: Katharina Nejdl
Medienwissenschaftlerin und Autorin: Jasmin Meerhoff
Moderation: Chris Möller

Volkshaus

Lioba Happel: POMMFRITZ aus der Hölle

Aus dem Gefängnis heraus schreibt Fritz 23 Briefe über seine Kindheit. Er schreibt an den «Vatter», den er als Kind nur einmal zu Gesicht bekommen hat, er schreibt über die Spezialschule, die Sozialarbeiterin vom Amt und die rettende Begegnung mit der Literatur Rimbauds. Vor allem aber schreibt er über die Mutter, die ständig ass, ihn ans Tischbein band und schlug – und die er schliesslich umgebracht hat. Wie es dazu kam, wird in POMMFRITZ aus der Hölle (edition pudelundpinscher, 2021) furios erzählt, mit einem Sog, dem man sich kaum entziehen kann.

Autorin: Lioba Happel
Moderation: Martin Zingg

Galerie Weiss Falk

Heinz Helle: Wellen

Heinz Helle setzt sich in seinem vierten Roman Wellen (Suhrkamp, 2022) mit Vaterschaft auseinander. Der um Gleichberechtigung bemühte Erzähler ist gerade das zweite Mal Vater geworden und macht sich
schreibend, mit seinem Kind im Arm, auf die Suche nach Antworten auf Fragen wie: Was heisst es heute, ein Mann zu sein? Und was Vater, was Ehemann, was Autor? In diesem sehr persönlichen und rhythmisch erzählten Text voller «und» und «und dann» folgen wir den Auf und Abs eines jungen Vaters. Der Roman beinhaltet eine poetische Auseinandersetzung mit Männlichkeitsbildern und neuen gesellschaftlichen Rollen, sowie eine Auseinandersetzung mit dem Schreiben selbst, dem Aufbrechen von starren Zuschreibungen und dem Wunsch, nicht jedem Erzählen sofort Struktur aufdrängen zu wollen.

Autor: Heinz Helle
Moderation: Alain Gloor

Müller Palermo

Seraina Sattler & Anna Six: Anders aufgewachsen – 11 Kindheiten im Porträt

Die ersten Jahre prägen uns. Aber wie? In Anders aufgewachsen (Christoph Merian Verlag, 2022) erzählen elf Menschen, geboren zwischen 1944 und 1998, von ihrer Kindheit und wie sie wurden, wer sie sind. Zum Beispiel Peter, der mit zwei Müttern aufgewachsen ist. Oder Lilian aus El Salvador, die ihre Eltern im Guerillakrieg verlor und mit acht in die Schweiz kam. Katharina, deren Vater Priester ist. Samira, die ihre Mutter bis zu deren Tod pflegte. Cornelia, die an einer seltenen Erbkrankheit leidet. Lesung und Gespräch mit den Autorinnen Seraina Sattler und Anna Six.

Autorin: Seraina Sattler
Autorin: Anna Six

Volkshaus

Mohamed Amjahid: Let’s Talk About Sex, Habibi

Da, wo Orientalismus, Sexualisierung und Fetischisierung aufeinandertreffen und sich gegenseitig bestärken, setzt Mohamed Amjahids Let’s Talk About Sex, Habibi (Piper, 2022) an. Berührend, ehrlich, intim und deutlich zeigt er auf, wie viele Menschen aus einer westlichen Perspektive stereotypisiert werden. Tausendundeine Nacht okay, aber wie rassistisch ist der europäische Umgang damit? Orgien am Fusse des Atlasgebirges, Liebeszauber und Salafisten, die gegen ihre Überzeugungen überteuerte Kondome verkaufen, aber auch toxische Männlichkeit, religiöser Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt: Amjahid macht die Diversität und die Konflikte der Schlafzimmer Nordafrikas zum Inhalt seines Buches und stösst das Othering mehr und mehr von der Bettkante, bis es auf den Boden knallt und Habib(t)i nicht mehr neben ihm liegt.

Autor: Mohamed Amjahid
Moderation: Hannan Salamat

Klara

Ute Krause: Nora und der Grosse Bär

Nora will unbedingt mit den Jägern losziehen, um den Grossen Bären zu finden, von dem alle im Dorf an langen Winterabenden flüsternd erzählen. Die beste Bärenjägerin will sie werden. Zu klein soll sie sein? Keinesfalls, findet Nora. Und dann ist er da – der Grosse Bär – und alles kommt ganz anders. Was als Jagd beginnt, wird zu einer unvergesslichen Begegnung.

Freier Eintritt

Autorin, Illustratorin: Ute Krause

Volkshaus

Kim de l’Horizon: Blutbuch

++ Die Veranstaltung ist ausverkauft. Für Besucher*innen mit Festival- oder Tagespass gibt es noch Plätze, bitte kommen Sie frühzeitig. ++

Aufgewachsen in einem schäbigen Schweizer Vorort, ist die Erzählfigur von Blutbuch (Dumont Buchverlag, 2022) den engen Strukturen der Herkunft entkommen, lebt in Zürich und fühlt sich im nonbinären Körper wohl. Doch dann erkrankt die Grossmutter an Demenz, und das Ich beginnt, sich mit der Vergangenheit und den bruchstückhaften Erinnerungen an die eigene Kindheit auseinanderzusetzen. Der Text lässt Erzählkonventionen hinter sich und erzählt auf verblüffend eigenwillige Art eine Familiengeschichte vor dem Hintergrund der aktuellen Gender- und Klassendebatten.

Autor*in: Kim de l'Horizon
Moderation: Christine Lötscher

Volkshaus

Elke Schmitter: 100 Autorinnen in Porträts

Ein weiblicher Kanon, was ist das, was kann das sein? Der Literaturkanon ist immer noch zu 60 bis 90 Prozent männlich und das wird nicht einmal für erklärungsbedürftig gehalten. Fünf Literaturkritikerinnen haben es sich mit ihrer journalistischen und schriftstellerischen Expertise zur Aufgabe gemacht, Frauen zu porträtieren, die trotz ihres stark beschnittenen Handlungs- und Erfahrungsraumes geschrieben haben. Viele dieser Porträts widerspiegeln die widrigen Umstände ihrer Zeit, sie geben aber auch einen Einblick in das Werk der jeweiligen Autorin. 100 Autorinnen in Porträts (Piper Verlag, 2021) verknüpft literarische Qualität und biografische Exemplarität über fast zwei Jahrtausende, über die ganze Welt hinweg, von Hildegard von Bingen über Han Kang bis zu Rachel Cusk.

Autorin: Elke Schmitter
Moderation: Alain Claude Sulzer

Müller Palermo

Albert M. Debrunner: Ernst Stadler – Ein zu kurzes Leben

Ernst Stadler (1883–1914) verkörperte in seinem kurzen Leben ein geistiges Europa, das seiner Zeit weit voraus war. Mit seinem lyrischen Schaffen schloss er sich dem international gesinnten Kreis um die expressionistische Zeitschrift Aktion an. Nach den Schüssen von Sarajewo erlebte Stadler aber die Fatalität des alten Europas am eigenen Leib: Er fiel in der Schlacht um Ypern. Geblieben ist ein schmales lyrisches Werk, das bis heute zum Kernbestand des frühen Expressionismus zählt. Der Basler Albert M. Debrunner füllt mit Stadlers Biografie (Nimbus, 2022) eine Lücke der Literaturgeschichtsschreibung. Auf ebenso spannende wie kenntnisreiche Weise zeichnet er die wenig bekannten Lebensumstände des Dichters nach und entwirft das Panorama einer ganzen Epoche.

Autor: Albert M. Debrunner
Moderation: Bernhard Echte

Volkshaus

Body Politics: FINTA*-Körper als Spielfeld reaktionärer Politiken

Mit der Abschaffung des Rechts auf Abtreibung in den USA haben die politischen Kämpfe, die auf Körpern von FINTA*-Personen ausgetragen werden, einen neuen Höhepunkt erreicht – und sie hat gezeigt, wie brüchig unsere feministischen Errungenschaften sind. Die Kontrolle von Reproduktion ist ein zentrales Spielfeld fundamentalistischer Politik, aber sie zeigt sich auch in Angriffen auf rassifizierte und auf trans Körper, z.B. über das Verwehren von medizinischen Leistungen und über transfeindliche Gesetze. Auf dem Podium werden die verschiedenen Schauplätze diskutiert und darüber nachgedacht, welche Mittel und Allianzen es braucht, um gemeinsam diesen Kräften entgegenzutreten.

FINTA* steht für Frauen, intergeschlechtliche Personen, nichtbinäre Personen, trans Personen und agender Personen.

Sprache: Englisch

Autor*in und Aktivist*in: Laurie Penny
Wissenschaftlerin: Paula-Irene Villa Braslavsky
Musiker*in und Aktivist*in: Brandy Butler
Moderation: Franca Schaad

Galerie Weiss Falk

Anuk Arudpragasam: Nach Norden

Anuk Arudpragasam schreibt auch in seinem zweiten Roman Nach Norden (Hanser Literaturverlage, 2022) über den Bürgerkrieg in Sri Lanka. Diesmal beschäftigt er sich mit dessen Nachwehen. Der Protagonist Krishan lebt in Colombo, als ihn ein Anruf erreicht: Die Haushälterin seiner Grossmutter ist unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. Der junge Mann macht sich auf den Weg in den Norden des Landes – dorthin, wo der Krieg zwischen der Regierung und den Tamil Tigers besonders gewütet hatte. Arudpragasams Muttersprache ist Tamil, seine Bücher schreibt er auf Englisch.

Sprache: Deutsch/Englisch

Klara

Nikolaus Heidelbach: Marina

Zwei Brüder finden ein fremdes Mädchen am Strand und nehmen sie mit nach Hause. Marina ist zunächst stumm wie ein Fisch, dann sprudelt es aus ihr heraus: Sie behauptet, eine Meerprinzessin zu sein. Die beiden Jungen streiten, ob sie Marina glauben sollen oder ob alles nur ihrer blühenden Fantasie entspringt. Da wird es Marina zu bunt.

Freier Eintritt

Autor und Illustrator: Nikolaus Heidelbach

Keck Kiosk

Freiluftlesungen am Keck Kiosk

Zusammen mit dem Wortstellwerk – Junges Schreibhaus Basel machen wir am Samstag 19. November den Keck Kiosk zur literarischen Aussenbühne.

Es lesen:
16 Uhr Anja Schmitter
16.30 Uhr Julia Kubik
17 Uhr Nina Hurni
17.30 Uhr Léonard Wiesendanger
18 Uhr Lidija Burčak
18.30 Uhr Benjamin von Wyl
19 Uhr Tim Altermatt
19.30 Uhr Sina Aebischer
20 Uhr Sascha Rijkeboer

Freier Eintritt

Autorin: Anja Schmitter
Autorin und Künstlerin: Julia Kubik
Autorin: Nina Hurni
Autor: Léonard Wiesendanger
Autor: Benjamin Von Wyl
Autor: Tim Altermatt
Autorin: Sina Aebischer
Autor*in: Sascha Rijkeboer
Autor*in: Lidija Burčak

Klara

Laura D’Arcangelo: Herr Bert und Alfonso jagen einen Dieb

Herr Bert und sein Dackel Alfonso werden von allen übersehen. Doch als ein Dieb die kleine Stadt unsicher macht, fällt der Verdacht auf die beiden. Können sie den richtigen Dieb finden, bevor sie selbst verhaftet werden? Eine Detektivgeschichte mit einer wilden Verfolgungsjagd und ziemlich viel Knoblauchwurst.

Freier Eintritt

Autorin, Illustratorin: Laura D'Arcangelo

Volkshaus

Festung Europa

Jedes Jahr sterben Tausende Menschen an den Aussengrenzen Europas. Dass das ausführende Organ der EU, die Frontex, dabei auch illegale Praktiken anwendet, ist längst bekannt. Trotzdem wurde eine Aufstockung der finanziellen Mittel der Frontex auch in der Schweiz deutlich befürwortet. Die rasche und unkomplizierte Aufnahme von Geflüchteten aus der Ukraine in den meisten Staaten Europas und der mit vielen Rechten ausgestattete Schutzstatus S in der Schweiz haben gezeigt, dass ein humanerer Umgang mit Menschen auf der Flucht möglich ist. Gleichzeitig haben sie auch schmerzlich verdeutlicht, wie stark die europäische Asylpolitik von rassistischen Logiken geprägt ist. Wie könnte ein gerechterer Umgang mit migrierenden Menschen aussehen? Und was können wir als Zivilgesellschaft dafür tun?

Autor, Aktivist: Mohamed Amjahid
Aktivistin Migrant Solidarity Network: Selam Habtemariam
Autor*in, politische*r Geograf*in: Sinthujan Varatharajah
Moderation: Carlos Hanimann

Müller Palermo

Gabrielle Alioth: Realität und Mythos am irischen Strand

Die Schweizer Autorin Gabrielle Alioth lebt seit bald 40 Jahren in Irland, im County Louth an der Ostküste, nördlich von Dublin. Täglich frühmorgens geht sie mit ihrem Hund am nahen Strand spazieren. Was sie dort sieht, erlebt und ersinnt, zeigt ihr Buch Seapoint – Strand (Caracol, 2022) in 52 Fotos, begleitet von 12 Prosatexten in Deutsch und Englisch. Der Strand ist Realität und Mythos zugleich. In den deutschen wie englischen Texten verweben sich Gegenwart und Vergangenheit. Figuren der irischen Sagen steigen aus dem Strand auf und spiegeln zugleich die Biografie der Autorin.

Autorin: Gabrielle Alioth

Volkshaus

Zuzu: Glückliche Tage

Zuzu ist das Pseudonym der italienischen Illustratorin und Comiczeichnerin Giulia Spagnulo. Mit ihrem Debüt Cheese (Edition Moderne, 2021) machte die 1996 geborene Zeichnerin und bemerkenswerte Erzählerin sofort auf sich aufmerksam. In ihrer neuen Graphic Novel Glückliche Tage (Edition Moderne, 2022) ist die Protagonistin Claudia gefangen zwischen ihrer Vergangenheit und einer neuen Zukunft, zwischen dem Wunsch, in einer Beziehung aufzugehen, und der Angst, ihren Wünschen nicht gerecht zu werden. Die mit Farbstiften gezeichneten Bilder, kombiniert mit den wenigen Aussagen in den Sprechblasen, referieren existenzielle Coming of Age-Fragen so leicht und so schwer, wie sie nun mal sind.

Sprache: Deutsch/Italienisch

Illustratorin und Comiczeichnerin: Giulia Spagnulo
Übersetzung: Ariana Pradal
Moderation: Ruth Gantert

Volkshaus

Thomas Hürlimann: Der Rote Diamant

1963 kommt der elfjährige Arthur Goldau in ein Klosterinternat, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Die Fratres führen ein strenges Regiment, es wird gelernt, was schon Generationen vorher gelernt haben, die österreichische Ex-Kaiserin Zita kommt gelegentlich zu Besuch, und es soll sich sogar ein sagenumwobener Diamant aus der Habsburger Krone im Kloster befinden. Doch die Jugendlichen sehen den gesellschaftlichen Umbruch schon am Horizont. Mit der Mischung aus spannendem Internatsroman, philosophischem Klosterkrimi und ironischem Abgesang auf eine vergangene Zeit zündet Hürlimann mit Der Rote Diamant (S. Fischer Verlage, 2022) ein grandioses Erzählfeuerwerk.

Autor: Thomas Hürlimann
Moderation: Esther Schneider

Kaserne

Pankaj Mishra: Run and Hide

Pankaj Mishra ist Kolumnist in der New York Times, schreibt Essays und literarische Rezensionen in The New York Review of Books und ist «eine Art prognostizierender Experte» (The Guardian, 2022) für das indische Wirtschaftswachstum. Nach vielen Sachbüchern und Essays hat Mishra nun einen Roman geschrieben. Run and Hide (Macmillan Publishers, 2022) zeichnet ein kontrastreiches Bild einer sich globalisierenden Gesellschaft, die sich von Macht und Reichtum verleiten lässt, und des emotionalen und moralischen Preises, den sie dafür zahlt. Seine Eltern ermöglichen Arun unter grossen Opfern die Aufnahme ans renommierte Indian Institute of Technology. Sein Leben voller Entbehrungen scheint endlich hinter ihm zu liegen. Während zwei seiner Mitstudenten, die aus ähnlichen Verhältnissen kommen, im Sinne Great Gatsbys im Westen durchstarten, kehrt Arun nach Indien zurück und beschäftigt sich mit den Aussichten des Landes.

Autor: Pankaj Mishra
Moderation: Andrea Spalinger

Turnhalle Clara

Lika Nüssli: 10 Meter Starkes Ding

Die mehrfach ausgezeichnete Illustratorin und Künstlerin Lika Nüssli spinnt ihre Graphic Novel Starkes Ding (Edition Moderne, 2022) auf dem Boden der Improvisation weiter. Dieser Boden ist eine zehn Meter lange Papierrolle, auf der sie die Geschichte ihres Vaters, der vier Jahre als Verdingbub gearbeitet hat, künstlerisch erforscht. Was mit idyllischer Senntumsmalerei beginnen mag, resultiert in abstrakten Darstellungen von Albträumen und der Erkenntnis, dass eine Person mehr ist als das Schlimme, das ihr widerfährt. Während der dreistündigen Performance bei offener Tür zeichnet Nüssli ihre Graphic Novel neu, nimmt die Misere und die Lichtblicke, lässt sie auf den Boden fallen und schaut, was sich daraus weiterentwickeln lässt.

Freier Eintritt

Illustratorin und Performerin: Lika Nüssli

Kaserne

Enis Maci und Rosaceae: WUNDER/DNA

Der Körper als potenzielle Wunde, als Abweichung zwischen Trost und Terror: Enis Macis Text WUNDER (Suhrkamp, 2021) erzählt über den Körper als solches und die gelegentliche Unmöglichkeit, in ihm Halt zu finden. Und wenn Rosaceae zwischen Elegie und Clubhouse Noise- und Gabbersounds über die Sprache legt, merken wir: Da, wo kein Halt ist, ist ein freier Fall möglich. Und kurz vor dem Aufprall dann die Realisierung, dass Körper sich gegenseitig durchqueren, dass es Menschen gibt, die ihn in offene Konflikte tragen und daran glauben, mit ihm überleben zu können. Die mit dem Max-Frisch-Förderpreis 2022 ausgezeichnete Autorin vermengt gemeinsam mit Rosaceae Text und Musik zu einem politischen Workout, das WUNDER/DNA heisst.

Autorin: Enis Maci
Musikerin: Leyla Yenirce
Lesung: Norwin Tharayil
Lesung: Nicole Coulibaly

Müller Palermo

Thomas Pfenninger & Anja Schmitter: Debüt-Duo

Die Hauptfiguren in Thomas Pfenningers und Anja Schmitters Debütromanen sind ebenso skurril wie sympathisch: In Gleich, später, morgen (Kommode, 2022) erzählt Thomas Pfenninger eine Geschichte über einen liebevollen und hochsensiblen Briefträger, der allen Menschen im Quartier helfen möchte und dabei zu weit geht. Schnell kippt die angebliche Idylle in der Wohnsiedlung ins Chaos. In Leoparda (Lenos, 2022) ist es unglaublich heiss. Mitten in diesem Hitzesommer zieht sich Kleo in ihre Zürcher Wohnung zurück und verwandelt sich langsam in ihr Alter Ego namens Leoparda. Als Raubkatze sucht sie die Menschen aus ihrer Vergangenheit heim. In originellen Bildern und mit gesellschaftskritischem Blick erzählt Anja Schmitter vom Ausbrechen aus der Normalität, von Identitätssuche und Emanzipation.

Autor: Thomas Pfenninger
Autorin: Anja Schmitter
Moderation: Martina Kuoni

Volkshaus

Juri Andruchowytsch: Radio Nacht

Juri Andruchowytschs Werke wurden in 20 Sprachen übersetzt und unter anderem mit dem Hannah-Arendt-Preis und dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet. Radio Nacht (Suhrkamp, 2022) erzählt von einem Protagonisten mit unklarer Identität, der mit seiner Geliebten Animé und dem Raben Edgar nach seiner Haft nach Griechenland flieht. Später beginnt er Radio zu machen und sendet Nacht für Nacht Geschichten, Poesie und Musik in den Äther. In Andruchowytschs neustem Roman sind die Figuren mit aktuellen Fragen konfrontiert: Klimaproteste, Pandemie und die Bedrohung der Ukraine durch Russland. Gibt es noch Hoffnung auf radikale Veränderung?

Autor: Juri Andruchowytsch
Moderation: Anna Hodel

Volkshaus

Helene Hegemann: Schlachtensee

++ Die Veranstaltung mit Helene Hegemann muss wegen Krankheit leider abgesagt werden. ++

In 15 Erzählungen versammelt Hegemann in Schlachtensee (Kiepenheuer & Witsch, 2022) überspannte Menschen und Figuren in ihren Endzwanzigern. Alle reiben sich wund an körperlichen Grenzerfahrungen, irgendwo zwischen Wohlstandsverwahrlosung und polyamourösen Affären. Sie befinden sich in einer Art Überlebensmodus, der bis zum Totalausfall führt. In der längsten Erzählung steht eine Wortschöpfung Dostojewskis im Zentrum: надрыв, Nadrýw. Diese beschreibt eine emotionale Spannung, die auch mit «Schmerzekstase» oder «wunde Stelle» übersetzt wurde. Diese Spannung verbindet alle Kurzgeschichten: Sie sind dystopisch, absurd und hochaktuell. Und einmal mehr zeigt Hegemann, wie das Abarbeiten an Widersprüchen zwar schmerzhaft, aber zugleich auch ein Lesevergnügen ist.

Autorin: Helene Hegemann
Moderation: Gesa Schneider

Volkshaus

Svenja Viola Bungarten: Update aus Bermuda – eine hybride Lesung

Svenja Viola Bungarten erschafft Literaturerlebnisse im Digitalen. Als Teil des Kollektivs Antagonist:innen hat sie Bermuda entwickelt – ein Onlinegame und eine begehbare Textlandschaft. Sie schreibt Theaterstücke oder – im Dialog mit einer künstlichen Intelligenz – klassische Heldenmythen um. Für das Festival entwickelt sie ein neuartiges Lesungsformat irgendwo zwischen dem Hier und Jetzt und den Weiten des World Wide Web.

Autorin: Svenja Viola Bungarten
Moderation: Chris Möller

Müller Palermo

Narr #36: Die Stolperstrasse

Das Literaturmagazin Narr feiert die Vernissage der aktuellen Ausgabe. Für Narr #36 – die Stolperstrasse haben die Autor*innen ihre Texte zu Illustrationen des Künstlerinnenduos Walter Wolff geschrieben. Seit 2011 publiziert das Narr Stimmen, die anderswo noch nicht gehört werden. Damit bietet es Leser*innen einen Einblick in die Literatur der Zukunft und jungen Schreibenden eine Plattform. Rund 200 Autor*innen haben im Narr publiziert und dieses zu einem der wichtigsten Schweizer Literaturmagazine gemacht.
Es lesen: Rebekka Salm, Ilia Vasella, Shpresa Jashari und Fabio Kilcher. Und im Anschluss gibt es einen Apéro.

Freier Eintritt

Autorin: Rebekka Salm
Autorin: Ilia Vasella
Autorin: Shpresa Jashari
Autor: Fabio Kilcher

Volkshaus

Tomer Gardi: Eine runde Sache

Tomer Gardi schreibt in der Kunstsprache «Broken German» seinen zweiteiligen Roman Eine runde Sache (Droschl, 2021) und schickt darin zwei Künstler in unterschiedlichen Jahrhunderten auf eine Reise, bei der sich historische Wirklichkeit und Fiktion kreuzen. Der erste ist er selbst, an seiner Seite der Schäferhund Rex und der Erlkönig, im zweiten Teil des Romans ist es Maler Raden Saleh, der durch Europa zurück nach Asien reist. Sie stellen sich der Identitätssuche, wollen nicht korrekt sein und suchen die politische Substanz in allem, das ihnen begegnet. Wer sich auf die Reisenden einlässt, «erkennt die Tiefenströmung, in der sich über alle Grenzen von Zeit, Raum und Form hinweg beide Geschichten verbinden» (Deniz Yücel, Die Welt). Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2022.

Autor: Tomer Gardi
Moderation: Shelly Kupferberg

Galerie Weiss Falk

Sinthujan Varatharajah: an alle orte, die hinter uns liegen

Im Elefantenhaus in einem Zoo in Deutschland steht Sinthujan Varatharajahs Mutter. Sowohl die Frau als auch die Elefanten kommen von weit her, aus Sri Lanka. Sie wurden verschleppt oder vertrieben. an alle orte, die hinter uns liegen (Hanser Literaturverlage, 2022) ist eine äusserst klare Reflexion über globalen Kolonialismus und europäische Asylpolitik. Und zugleich eine ganz persönliche Spurensuche, die grundsätzliche Gewissheiten infrage stellt. Varatharajah arbeitet interdisziplinär, hat Politische Geografie studiert, war an der 11. Berliner Biennale mit einer Installation vertreten und ist für verschiedene Menschenrechtsorganisationen tätig. Das Buch ist sein*ihr erster Roman.

Autor*in: Sinthujan Varatharajah
Moderation: Ana Sobral

Volkshaus

LyrikTalk

Der Berner Schriftsteller und Musiker Michael Fehr, der Spoken-Word-Künstler Jurczok 1001 und die Berliner Poetin Stefanie-Lahya Aukongo sprechen zusammen mit Rudolf Bussmann über Lyrik und Spoken Word. Sie wählen vorab je einen Text der zwei anderen Lyriker*innen aus und bringen diese Texte mit zum Gespräch. Die sechs Gedichte bilden den Ausgangspunkt für die Diskussion. Wer geht wie mit Sprache um? Im gegenseitigen Austausch geben die Autor*innen Einblicke in ihre Arbeit mit Sprache und Musik. Das Gespräch wird von Kurzauftritten und Performances gerahmt.

Autor: Michael Fehr
Spoken-Word-Künstler: Jurczok 1001
Lyrikerin: Stefanie-Lahya Aukongo
Moderation: Rudolf Bussmann

Volkshaus

«Ist das ein Mensch?» Ein Abend gegen das Vergessen

Die offizielle Erinnerungspolitik und das mahnende «Nie wieder», das im Rückblick auf die Zeit des Nationalsozialismus aufgerufen wird, werden mehr und mehr zu inhaltsleeren Ritualen. Es fehlen dichte Beschreibungen und konkrete Geschichten, die vermitteln, was die Shoah tatsächlich bedeutete. Auschwitz droht zur blossen Chiffre zu werden, ohne Vorstellung von den Mechanismen der Entmenschlichung und der Vernichtung. Auch die (Dis-)Kontinuitäten zu heutigen Formen von Rassismus und Antisemitismus bleiben im Dunkeln. Mit Texten von Überlebenden geben Carolin Emcke, Lena Gorelik und Maryam Zaree denjenigen eine Stimme, die das Lager erlebt und beschrieben haben. Ihre Berichte richten sich an die Nachgeborenen, sie erzählen von der Gewalt, aber auch von Widerstand, Freundschaft und der Ethik des Erinnerns.


Mit Textstellen aus:

  • Jenseits von Schuld und Sühne von Jean Améry, GW Band 2, Stuttgart 2002 © Klett Cotta
  • Une connaissance inutile (Trilogie, Auschwitz und danach) von Charlotte Delbo, aus dem Französischen von Elisabeth Thielicke, Eva Groepler, © 1990 Stroemfeld/Roter Stern, Basel/Frankfurt am Main, Original © 1970, Edition Minuit
  • SORSTALANSAG (Roman eines Schicksallosen) von Imre Kertész, aus dem Ungarischen von Christina Viragh, Berlin 1996 © Rowohlt Berlin
  • weiter leben von Ruth Klüger, Göttingen 1992 © Wallstein Verlag
  • Ist das ein Mensch? von Primo Levi, aus dem Italienischen von Heinz Riedt ©1988, Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, München
  • L'Ècriture ou la vie (Schreiben oder Leben) von Jorge Semprun, aus dem Französischen von Eva Moldenhauer, Frankfurt 1995 © Gallimard, Suhrkamp Verlag
  • Einsam war ich nie von Lutz van Dijk (unter Mitarbeit von Günter Grau), Berlin 2003 © Querverlag

Autorin, Publizistin: Carolin Emcke
Autorin, Journalistin: Lena Gorelik
Schauspielerin, Filmemacherin, Autorin: Maryam Zaree
Moderation: Daniel Graf

Kaserne

Jenny Hval

Mit drei Romanen, sieben Musikalben, diversen musikalischen Kollaborationen und Theaterarbeiten gilt die Norwegerin Jenny Hval als eine der vielseitigsten zeitgenössischen Pop-Künstlerinnen der Gegenwart. Nachdem sie sich auf ihren letzten Alben aus feministischer Perspektive mit dem Thema Liebe oder dem Zusammenhang von Vampirismus, Kapitalismus und Menstruation auseinandersetzte und sich dabei unterschiedlicher musikalischer Avantgarden und abseitiger Genres bediente, ist ihr neues Werk Classic Objects (4AD) fast schon ein klassisches Popalbum geworden. Inhaltlich hochpoetisch, aber eben mit strahlenden Pianomelodien, sanften Folk-Grooves und einem Bekenntnis zu musikalischer Schönheit. Jenny Hval liest am Freitag um 20.30 Uhr aus ihrem Buch Perlenbrauerei.

Musikerin und Autorin: Jenny Hval

Kaserne

Imaad Majeed: An archive too can be [used]

In einem Archiv können wir zu Hause sein, schreibt die Wissenschaftlerin Sarah Ahmed und liefert damit Künstler*in und Kurator*in Imaad Majeed die theoretische Ausgangslage für theys multidisziplinäre Lecture-Performance. Ein Archiv kann auch ein Erinnerungs- und Beweisfeld sein – in dem Fall für die vielen Tausenden Menschen, die in Sri Lanka während des Bürgerkriegs verschwunden sind (Amnesty International schätzt 60’000–100’000 Personen). Imaad Majeeds dokumentarisch-poetisches Zine Testimony of the Disappeared ist genauso Teil der Performance wie die Entdeckungen, die they in Basler Archiven gemacht hat. Mit einer verqueerten Sprache fragt Majeed, was passiert, wenn theoretische Grundlagen auf Realitäten treffen, die von (verschwundenen) Menschen gelebt werden mussten.

Freier Eintritt

Künstler*in: Imaad Majeed

Kaserne

Karl Kave & Durian: Aus dem Patriarchat macht Gurkensalat!

Karl Kave & Durian scheuen sich nicht vor grossen Parolen, obschon sich bei genauerem Hinhören eine Lust an inneren und äusseren Widersprüchlichkeiten kundtut. Waren die ersten zwei Alben Ungestüme Reiter (Choléra Cosmique, 2020) und Untergang und Finsternis (Detriti, 2021) von EBM, Post-Punk und Minimal Wave geprägt, so befindet sich das rastlose Duo mehr und mehr Auf der Suche nach der verlorenen Night (Young & Cold, Winter 2022) im Bereich des Chicago-House.

Freier Eintritt

Sonntag, 20.11.2022

Klara

Franziska Kolb & Martina Walther: Löwe aus Stein

Wer kennt ihn nicht, den Löwen von Luzern? Eingebettet in eine Erzählung um zwei neuzugezogene Kinder wird in Wort und Bild angeregt, selber zu recherchieren, und dem Löwen und seiner Geschichte nachzuspüren. Was will er uns eigentlich erzählen? Warum ist es überhaupt ein Löwe? Weshalb gilt er als einmaliges Denkmal? Und was hat Frankreich mit der ganzen Geschichte zu tun? Die Grafikerin Franziska Kolb und die Illustratorin Martina Walther wohnen und arbeiten beide in Luzern. Das im November 2021 veröffentlichte Kinderbuch Löwe aus Stein ist ihr erstes Buch aus der Edition cucuc.

Freier Eintritt

Grafikerin: Franziska Kolb
Illustratorin, Gestalterin: Martina Walther

Klara

Walid Serageldine: Le voisin

Wenn einmal ein Apfel in den Garten fällt, ist das nicht schlimm. Aber wenn der Nachbarsgrill die frisch aufgehängte Wäsche verqualmt, hui, dann stinkts! Dieses humorvolle, textlose Bilderbuch erzählt von der Nachbarschaft zwischen einer Elefantenfamilie und einem Nashorn. Wer genau hinsieht, entdeckt im Apfelbaum sogar eine Liebesgeschichte.

Freier Eintritt

Autor, Illustrator: Walid Serageldine

Theater Basel

Schweizer Buchpreisverleihung

Herzlich willkommen zur Verleihung des Schweizer Buchpreises!
Zum 15. Mal wird der Schweizer Buchpreis verliehen und hilft herausragenden Schreibenden aus unserem Land, mehr Aufmerksamkeit von Publikum und Medien zu finden. Aufmerksamkeit für das literarische Schaffen ist ein fragiles Gut, noch fragiler geworden in Zeiten der Krisen, die uns umgeben. Für Autor*innen war der Wegfall der Lesungen in den vergangenen zwei Jahren ein herber Einschnitt, und noch erholt sich das kulturelle Leben nur langsam. Umso wichtiger, dass der Schweizer Buchpreis gegensteuert. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre und freuen uns, wenn Sie zur Verleihung kommen!

Jury:
Tanja Bhend (Buchhändlerin, Buch am Platz, Winterthur)

Sieglinde Geisel (Freie Kritikerin, Schreibcoach)

Annette König (SRF-Literaturredaktorin, Literaturbloggerin)

Martina Läubli (Kulturjournalistin NZZ am Sonntag, Leiterin von Bücher am Sonntag)

Yeboaa Ofosu (Kulturwissenschaftlerin, Literaturexpertin)

Klara

Signe Viška: Kati will Grossvater werden

Kati weiss, was sie werden will: Grossvater. Sie eignet sich an, was zu einem Grossvater gehört: grosse Hände zum Akkordeonspielen oder Streichhölzer und Bonbons für die Jackentasche. Sie schafft es auch, so viel Zeit wie Grossvater zu haben. Nur, wie bekommt sie weisses Wolkenhaar? Kurzerhand klebt sich Kati Watte in die Mütze. Und schon bald sitzen die zwei Grossväter zusammen am Tisch und trinken Milch.

Freier Eintritt

Autorin, Illustratorin: Signe Viška

Klara

Nikolaus Heidelbach: Rosalie träumt …

Alle haben eigene Träume: Die kleine Rosalie träumt davon, andere Eltern zu haben. Die Mutter träumt von einem Tiefseeforscher. Der Tiefseeforscher begegnet einem Oktopus, dessen Träume ihn wiederum zum Superschurken machen. Alle diese Träume verbinden sich zu einer Geschichte, die sich immerfort weiterentwickelt.

Freier Eintritt

Autor und Illustrator: Nikolaus Heidelbach

Klara

Leo Hoffmann: Das kleine gelbe Haus

So kann es nicht weitergehen! Niemand beachtet das kleine gelbe Haus. Daher beschliesst es, seine Familie zu verlassen, um mit anderen Bewohner*innen glücklicher zu werden. Doch auf der Suche nach dem besten aller Standorte trifft es nicht gleich die richtige Entscheidung. Ein Grund, zu verzagen? Nein! Denn jeder Platz, wo es sich niederlässt, hat neben dem Unguten auch etwas Gutes.

Freier Eintritt

Autorin: Leo Hoffmann

Volkshaus

Potenzial Digital: Fiktion

Sarah Elena Müller und Ralph Tharayil sind zwei Autor*innen, deren Literatur längst nicht mehr zwischen zwei Buchdeckel passt. Sie glitchen durch die Gattungen und Künste. Sie verbinden Performance, Text und Klang und erproben dort ganz neuartige Formsprachen und Erzählhaltungen. Im Gespräch berichten sie von digitalen Möglichkeitsräumen für Geschichten und immersive Welten und diskutieren, in welchen Kontexten zeitgenössisches Erzählen steht und entsteht.

Autorin: Sarah Elena Müller
Autor: Ralph Tharayil
Moderation: Chris Möller

Volkshaus

Fiston Mwanza Mujila: Tanz der Teufel

Fiston Mwanza Mujila komponiert seine Texte wie ein Jazzmusiker und Saxophonist, so der Autor über sein eigenes Schreiben. In seinem neuesten Roman lässt er nun verschiedene Protagonist*innen aus aller Welt den Tanz der Teufel tanzen: Strassenjungs, einen portugiesischen Lehrer, eine Meerjungfrau, Soldaten. Sie gehen zwischen Angola und dem Kongo mal einem Abgrund entlang, mal einem individuellen (aber eigentlich strukturellen) Schicksal entgegen. Schillernd, virtuos und mit dem Prix Les Afriques 2021 ausgezeichnet, erzählt Tanz der Teufel (Hanser Literaturverlage, 2022) von Kolonialisierung, Globalisierung, Raubbau und Bürgerkrieg. Der Roman wird immer wieder von der Musik zusammengehalten, die den Rhythmus vorgibt.

Volkshaus

Donna Leon: Milde Gaben Commissario Brunettis einunddreissigster Fall

Während Venedig aus dem zweijährigen Covid-Schlaf erwacht, setzt Commissario Brunetti zu seinem 31. Fall an, was er selbst aber erst spät realisiert. Als ihn eine Freundin aus alten Zeiten darum bittet, innerhalb ihrer eigenen Familie verdeckt zu ermitteln, tut er dies als die einfache Sorge einer Mutter ab. Er flaniert durch venezianische dunkle Gassen, liest seinen Gazzettino, treibt durch ein noch untouristisches Venedig und geniesst die (vorübergehende) Untätigkeit der Ganov*innen. Aber Leon enttäuscht uns nicht und Brunetti ist immer noch ein Commissario. Was als Freundschaftsdienst beginnt, beschäftigt schon bald die halbe Questura. Und wie immer hat Brunetti ein gutes Gespür für die Grauzonen des menschlichen Verhaltens und findet bald eine vielversprechende Fährte.

Autorin: Donna Leon
Lesung: Annett Renneberg
Moderation: Shelly Kupferberg

Klara

Ute Krause: Wann gehen die wieder?

Im Mondschein traben Räuberkinder mit roten Köfferchen durch den Wald. Die Kinder haben zwei Zuhause, doppelte Geburtstage, doppelte Regeln und doppelte Zahnbürsten, weil sie mal bei ihrer Mama und mal bei ihrem Papa sind. Allerdings haben sie keine Lust, Papas neue Freundin und ihre Prinzen- und Prinzessinnenkinder in ihr Herz zu schliessen. Als sie alle erfolgreich verjagt haben, merken die Räuberkinder, dass das keine Lösung ist. Sie nehmen die Sache erneut in die Hand.

Freier Eintritt

Autorin, Illustratorin: Ute Krause

Klara

Matías Acosta: Die Sommergäste / Las visitas del verano

Während bei uns der Herbstwind aufkommt, beginnt andernorts gerade der Sommer. Etwa in Uruguay. An einem solchen Sommermorgen landet auf dem Hausdach eines Mannes laut schnatternd eine Gänseschar. Mit diesem Besuch hat der Ruhe liebende Bewohner nun gar nicht gerechnet. Diese Gäste sind jedoch gekommen, um zu bleiben, und so beginnt eine ganz besondere Freundschaft, die dann sogar den Herbst und den Winter überdauert.

Sprache: Deutsch / Spanisch

Freier Eintritt

Autor und Illustrator: Matías Acosta

Volkshaus

Julia Weber: Die Vermengung

Ihr erstes Buch Immer ist alles schön (Limmat Verlag, 2017) wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Franz-Tumler-Literaturpreis. Während Julia Weber an ihrem neuen Roman arbeitet, erwartet sie ein zweites Kind. Es stellen sich ihr Fragen nach der Vereinbarkeit von Kunst und Schwangerschaft, literarischem Schaffen und Muttersein: Wie hat die Weichheit der Gefühle und des Körpers Platz in der Härte der Gesellschaft? Die Vermengung (Limmat Verlag, 2022) rückt den weiblichen Körper und seine Transformation in den Vordergrund und lässt Raum für Weiches. Protokolle alltäglicher Gespräche, Erinnerungen an das eigene Kindsein, Fiktionales und Textstücke berühmter Autorinnen werden zu einem Ganzen geschmiedet.

Autorin: Julia Weber
Moderation: Naomi Gregoris

Volkshaus

Frauen, Krieg, Migration

50 Prozent der Migrant*innen in der Schweiz sind Frauen. Sie migrieren aus unterschiedlichsten Gründen, geschlechtsspezifische Diskriminierungen im Herkunftsland können mit ein Grund sein. Frauen, ob auf der Flucht oder aus anderen Gründen migrierend, sind unterwegs und im Zielland verstärkt (sexualisierter) Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt. Darüber hinaus werfen Krieg und bewaffnete Konflikte Gleichberechtigungsbestrebungen in den betroffenen Gebieten oft für Jahrzehnte zurück. Wie wirken sich Migration, Flucht und Krieg in spezifischer Weise auf Frauen aus? Darüber spricht Hannan Salamat mit der ukrainischen Autorin Eugenia Senik, mit der Migrationssoziologin Bilgin Ayata und mit Lina Rasheed von der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ).

Wissenschaftlerin: Bilgin Ayata
Juristin: Lina Rasheed
Autorin: Eugenia Senik
Moderation: Hannan Salamat

Volkshaus

Natasha Brown: Zusammenkunft

Die Autorin Natasha Brown studierte erst Mathematik in Cambridge, arbeitete zehn Jahre in der Finanzmarktbranche, erhielt dann ein Literaturstipendium und legt nun ihren Erstling vor: Zusammenkunft (Suhrkamp, 2022) beginnt am Ende der Aufstiegsgeschichte einer jungen Schwarzen Frau. Ohne viel über die Identität der Protagonistin zu erfahren, stellt sich unmittelbar das Unbehagen des Unlösbaren ein: Die Hauptfigur hat es geschafft, sie ist erfolgreich im Finanzsektor in London, aber eine Krebsdiagnose zwingt sie, ihren sozialen Aufstieg und ihre Zugehörigkeit zu hinterfragen. Vignettenartig wird ihr emotionales Erleben dargestellt, welches von rassistischen, klassistischen und sexistischen Diskriminierungen durchzogen ist.

Autorin: Natasha Brown
Moderation: Jennifer Khakshouri
Lesung: Nicole Coulibaly

Verein Wildwuchs

Claudia Schumacher: Liebe ist gewaltig

Juli wächst in einer Vorzeigefamilie auf: Die Eltern sind Rechtsanwälte, sie ist Klassenbeste. Doch in der Kleinstadtvilla herrscht das Grauen. Der Vater drillt die Kinder auf Leistung, prügelt sie und seine Frau. Juli wird älter, fordert ein Ende der Gewalt, deren Realität von der Mutter vehement abgestritten wird. Einzig ihre Brüder und eine Maus geben Halt. Doch wie kann man sich befreien, wenn man weder den Eltern noch den eigenen Erinnerungen traut? Drei Jahrzehnte folgen wir Juli, die mit aller Macht versucht, die Deutungshoheit über ihr Leben zu erlangen. Der neu erschienene Roman Liebe ist gewaltig (dtv-Verlag, 2022) ist das Debüt von Claudia Schumacher und wurde in der Schweiz prompt zum Bestseller.


Veranstaltungsort: Verein Wildwuchs Burgweg 15, 4058 Basel. Die Platzzahl ist beschränkt.
Billette gibt es unter www.sofalesungen.ch.

Volkshaus

Laurie Penny: Sexuelle Revolution

Sexuelle Revolution (Nautilus Flugschrift, 2022) ist das achte Buch von Journalist*in, Buch- und Drehbuchautor*in Laurie Penny. Die gegenwärtige sexuelle Revolution beginnt für Penny überall dort, wo Frauen, queere, nichtbinäre und trans Personen – vor allem jene, die nicht der weissen Mehrheitsgesellschaft angehören – nicht mehr bereit sind, ihren Körper als den Besitz anderer Personen zu begreifen. Penny wirft einen Blick auf die Krise der weissen Männlichkeit und zeigt auf, was die Angst vor Machtverlust damit zu tun hat. Gefordert wird eine radikale Kultur des Consent, die weit über Sex hinausgeht: auch Arbeitsverhältnisse und politische Prozesse sollen zu einer Logik des fortlaufend ausgehandelten Einvernehmens finden.

Die Moderatorin Lisa Christ ist leider kurzfristig erkrankt. Neu übernimmt Franca Schaad die Moderation der Veranstaltung.

Autor*in: Laurie Penny
Moderation: Franca Schaad

Volkshaus

Michael Fehr: Hotel der Zuversicht

Skurril, düster, traumhaft und vielleicht gar nicht so zuversichtlich ist Michael Fehrs Hotel der Zuversicht (Der gesunde Menschenversand, 2022). Aber wer braucht die Zuversicht, wenn es dafür Abenteuer und Absorption in Geschichten gibt? Der mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnete Autor positioniert Katzen, Polizist*innen, Tanten und Rezeptionist*innen in ein sozialkritisches Prosawerk. Er lässt sie auf Teppichen fliegen und ihre Schatten fühlen, belgische Biere bestellen und Gras essen, bis am Schluss das einzig Zuversichtliche nur noch ein hellblauer Mosaikboden ist.

Autor: Michael Fehr
Moderation: Nora Zukker