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Shida Bazyar: Die Lücken

Das Dorf «Heimesbach» gibt es nicht, und doch kommt es überall in Deutschland vor. Spuren der NS-Vergangenheit sind hier sichtbar und zugleich totgeschwiegen: «Die, die hätten erzählen können, wollen nicht erzählen. Die, die hätten erzählen wollen, hat man ermordet. Der Ort bleibt der Ort, seine Strassen werden geebnet, auf den Ackerflächen entstehen neue Häuser.»
Shida Bazyar verdichtet in ihrem Roman die Chronik eines fiktiven Ortes aus wechselnden Perspektiven, von der Vorkriegszeit bis in die Gegenwart. Sie entlarvt sowohl die Illusion, die Vergangenheit sei abgeschlossen als auch die Banalisierung, alles sei nicht so schlimm gewesen. Und sie stellt die Frage nach dem Fundament, auf dem unser Heimatbegriff steht, sowie danach, wie eine Gemeinschaft die Gewalt rechtfertigt, die sie zum vermeintlichen Schutz gegen «andere» einsetzt.