Ana Sobral
Ana Sobral ist Literaturwissenschaftlerin, Dozentin für Postcolonial Studies an der Universität Basel und künstlerische Leiterin von Weiter Schreiben Schweiz. Sie bietet Lehrveranstaltungen und Workshops zu Postkolonialismus, Antirassismus und Rapmusik an.
Stand: Oktober 2026
Foto: Joel Hunn
Nächste Veranstaltungen
Freitag, 13.11.2026
Volkshaus
ausverkauft
Shida Bazyar: Die Lücken
Das Dorf «Heimesbach» gibt es nicht, und doch kommt es überall in Deutschland vor. Spuren der NS-Vergangenheit sind hier sichtbar und zugleich totgeschwiegen: «Die, die hätten erzählen können, wollen nicht erzählen. Die, die hätten erzählen wollen, hat man ermordet. Der Ort bleibt der Ort, seine Strassen werden geebnet, auf den Ackerflächen entstehen neue Häuser.»
Shida Bazyar verdichtet in ihrem Roman die Chronik eines fiktiven Ortes aus wechselnden Perspektiven, von der Vorkriegszeit bis in die Gegenwart. Sie entlarvt sowohl die Illusion, die Vergangenheit sei abgeschlossen als auch die Banalisierung, alles sei nicht so schlimm gewesen. Und sie stellt die Frage nach dem Fundament, auf dem unser Heimatbegriff steht, sowie danach, wie eine Gemeinschaft die Gewalt rechtfertigt, die sie zum vermeintlichen Schutz gegen «andere» einsetzt.
Autorin: Shida Bazyar
Moderatorin: Ana Sobral
Sonntag, 15.11.2026
Volkshaus
Vanessa Onwuemezi: Dark Neighbourhood
DE
Die britische Autorin Vanessa Onwuemezi ist eine bemerkenswerte neue Stimme der zeitgenössischen Literatur. 2021 debütierte sie mit dem Kurzgeschichtenband Dark Neighbourhood. Sprachlich kraftvoll und kühn beschreibt beispielsweise die Erzählstimme: «To live in a world filled with light is like being slowly erased. No longer knowing down or up, yes or no, day or a true night. Light upon light is darkness.» Vanessa Onwuemezi deutet selten aus, sie beschäftigt sich lieber mit dem Moment, dem Klang und dem Fremden. Ausgehend von Dark Neighbourhood, sprechen Vanessa Onwuemezi und Ana Sobral über das Schreiben und über Onwuemezis eigenwilligen Umgang mit Sprache, Rhythmen und Formen. Und darüber, wie Prosa zu einer körperlichen Erfahrung werden kann: «Ich hatte keine Füsse, bevor es etwas gab, auf dem sie stehen konnten.»
EN
The British author Vanessa Onwuemezi is a remarkable new voice in contemporary literature. She made her debut in 2021 with the short story collection Dark Neighbourhood. With powerful and bold language, the narrative voice describes, for example: «To live in a world filled with light is like being slowly erased. No longer knowing down or up, yes or no, day or a true night. Light upon light is darkness.» Vanessa Onwuemezi rarely explains things; she prefers to focus on the moment, the sound and the unfamiliar. Taking Dark Neighbourhood as their starting point, Vanessa Onwuemezi and Ana Sobral discuss writing and Onwuemezi’s idiosyncratic approach to language, rhythms and forms. And they explore how prose can become a physical experience: «I had no feet before there was anything for them to stand on.»
Englisch
Autorin: Vanessa Onwuemezi
Moderatorin: Ana Sobral
Veranstaltungsarchiv
Freitag, 18.11.2022
Volkshaus
Tsitsi Dangarembga: Verleugnen
Tsitsi Dangarembga, Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2021, ist eine der grossen Stimmen Simbabwes: Ihr Roman Überleben (Orlanda, 2021) stand 2020 auf der Shortlist für den Booker Prize. Nun erscheint als letzter der Tambudzai-Trilogie der zweite Teil auf Deutsch. In Verleugnen (Orlando, 2022) knüpft sie an die Geschichte der Protagonistin an: Tambu ist am College, das eine kolonial-christlich geprägte Missionsschule ist. Mit Bestnoten und dem Verleugnen ihrer Schwarzen Identität kämpft sie um eine Anerkennung, die ihr nicht zugestanden wird. Dangarembga erzählt «vom Schwarzsein in einer viel zu weissen Welt, auch wenn hier (…) die weisse Welt tatsächlich in Afrika liegt» (The Guardian), und von einer jungen Frau, die in diesem Spannungsfeld versucht, erwachsen zu werden.
Sprache: Deutsch/Englisch
Radio X Interview mit Tsitsi Dangarembga:
Autorin: Tsitsi Dangarembga
Moderation: Ana Sobral
Lesung: Nicole Coulibaly
Samstag, 19.11.2022
ausverkauft
Sinthujan Varatharajah: an alle orte, die hinter uns liegen
Im Elefantenhaus in einem Zoo in Deutschland steht Sinthujan Varatharajahs Mutter. Sowohl die Frau als auch die Elefanten kommen von weit her, aus Sri Lanka. Sie wurden verschleppt oder vertrieben. an alle orte, die hinter uns liegen (Hanser Literaturverlage, 2022) ist eine äusserst klare Reflexion über globalen Kolonialismus und europäische Asylpolitik. Und zugleich eine ganz persönliche Spurensuche, die grundsätzliche Gewissheiten infrage stellt. Varatharajah arbeitet interdisziplinär, hat Politische Geografie studiert, war an der 11. Berliner Biennale mit einer Installation vertreten und ist für verschiedene Menschenrechtsorganisationen tätig. Das Buch ist sein*ihr erster Roman.
Autor*in: sinthujan varatharajah
Moderation: Ana Sobral
Freitag, 17.11.2023
Volkshaus
Nadia Owusu: Aftershocks
In Aftershocks: A Memoir, Nadia Owusu revisits the intimate topography of her childhood and young adulthood. She was just two years old when her Armenian mother abandoned her. Her Ghanaian father’s job at the UN involved changing countries time and again, so she grew up between different continents, languages and identities. To her, home was where her father was… until he died when she was only thirteen. Like a seismologist, the first-person narrator explores the personal «earthquakes» and «aftershocks» of her past, tracing them back to historical «fault lines» where wars, genocides and colonialism have left enduring friction and trauma in their wake. Owusu draws a nuanced portrait of a world torn apart by privilege, inequality and racism.
This event is held in association with Culturescapes 2023 Sahara.
Listen to the reading:
English
author: Nadia Owusu
moderator: Ana Sobral
reader: Nicole Coulibaly
Sonntag, 19.11.2023
Volkshaus
Alice Hasters: Identitätskrise
Nach ihrer pointierten Rassismuskritik in Was weisse Menschen nicht über Rassismus hören wollen (2019) lotet die Journalistin und Autorin Alice Hasters in ihrem neuen Buch das Potenzial des Zweifelns aus – und attestiert unserer Gesellschaft eine ausgewachsene Identitätskrise. Systeme, die Sicherheit, Zukunft und Gerechtigkeit versprachen, scheinen zu versagen. Stattdessen gibt es Zweifel und Verunsicherung. Identitätskrisen haben keinen guten Ruf, denn sie sind anstrengend für alle Beteiligten. Doch sie sind notwendig – denn nur so können sich Menschen und Gesellschaften weiterentwickeln. Hasters stellt sich den Ängsten der Gegenwart und bietet einen Ausblick, der zugleich ein persönlicher Einblick ist.
Radio X Interview mit Alice Hasters:
Autorin: Alice Hasters
Moderatorin: Ana Sobral
Samstag, 15.11.2025
Jazzcampus
Übersetzerin Annette Hug im Porträt: Wörter, Wunder, Vertrauen
Annette Hug hat vier Bücher aus dem Tagalog (Filipino) ins Deutsche übersetzt. Es ist eine Sprache ohne offizielle Diplome, umfangreiche Wörterbücher Deutsch–Filipino gibt es noch nicht. Wie entsteht vor einem solchen Hintergrund Vertrauen in die Übersetzerin?Was bedeutet das für die internationale Buchbranche? Und wie gelangt ein postmoderner Roman wie Das Meer der Aswang von Allan N. Derain, in dem sich ein Mädchen in ein Krokodil verwandelt, nach Europa? Seit der Ankündigung der Philippinen als Gastland der Frankfurter Buchmesse 2025 wurde Annette Hug zu einer Schlüsselfigur in der Vermittlung philippinischer Literatur. Im Gespräch mit Ana Sobral erzählt sie von ihren Erfahrungen – über sprachliche Grenzgänge, literarisches Vertrauen und die politische Dimension des Übersetzens.
Deutsch
Autorin, Übersetzerin: Annette Hug
Moderatorin: Ana Sobral